IFA 2015 – Die neuen Smartwatches

Berlin, 9.9.2015. Die neuen Smartwatches auf der Internationalen Funkausstellung IFA 2015 kennzeichnen vor allem zwei Trends: Individualisierung (mehrere Displaygrößen, Gehäuseausführungen, Armbänder) sowie die Umsetzung der Nutzerkritik an den Produkten der „ersten Generation“.

 

Übersicht der IFA 2015 Neuheiten

Die erste  Smartwatch von Huawei folgt dem aktuellen Trend und ist in einer schwarz beschichteten, vergoldeten oder originären Gehäuseausführung aus rostfreiem Stahl erhältlich. Die Smartwatch mit dem aktuellen Android Wear™Betriebssystem hat ein kreisrundes 42 mm (∼1.4“) AMOLED Display mit 400×400 Bildpunkten Auflösung, das mit kratzfestem Saphirglas abgedeckt ist. Die Smartwatch ist 11.3 mm dick und besitzt als Bedienelement neben dem obligatorischen Touchscreen, in „2 Uhr“ Position einen seitlichen Druckknopf. Im Inneren der Uhr arbeitet ein Standard Qualcomm Snapdragon 400 Prozessor mit 1.2 GHz Taktrate, 512 MB Hauptspeicher und 4 GByte Flash Speicher, der von einer 300 mAh Batterie versorgt wird. Die Uhr verfügt über digitale Beschleunigungssensoren / Gyroskope sowie ein Barometer, auf der Rückseite befinden sich ein optischer Pulsmesser und vier Kontakte zur Ladeschale. An Kommunikationsmöglichkeiten sind Bluetooth 4.1 (BLE) und Wifi vorhanden. Unterschiedliche, austauschbare Armbänder von Leder über Milanaise Metallgeflecht bis hin zu gehäusefarbenen Metallgliedern runden die Individualisierungsmöglichkeiten ab.

Mit der in diesen Tagen von Google vorgestellten Wear App für IOS™ (ab Version 8.2) soll die neue Huawei Smartwatch – wie die im folgenden beschriebenen neuen Android Wear™ Smartwatches Lenovo moto 360™, die Asus Zenwatch 2™als auch die LG Urbane™zukünftig auch mit einem Apple iPhone™ koppelbar sein. Damit können Nachrichten an die Smartwatches weitergeleitet, oder die Google Now™Sprachsuche von Android Wear™ genutzt werden.

Der Preis der neuen Huawei Smartwatch, die im Herbst in Europa erhältlich sein wird, beträgt je nach Ausführung zwischen €399 bis €799.

Lenovo reagiert auf die verbreitete Kritik an der Leistungsschwäche der moto 360™ und stattet die überarbeitete Uhr mit einem Standard Qualcomm Snapdragon 400 Vierkern Prozessor mit 1,2 GHz Taktrate, 512 MB Hauptspeicher und GByte Flash-Speicher aus. Auch die Sensorik der Uhr wird um einen optischen Pulsmesser ergänzt, der alle 5 Minuten automatisch den Puls des Uhrenträgers misst. Die Smartwatch ist jetzt in 2 TFT-LC Displaygrößen von 42mm (∼1.4“) und 46 mm (∼1.6“) erhältlich, die mit einem Touchscreen aus bruchsicherem Corning™ Gorilla™ Glas 3 abgedeckt sind.  Die 11.4 mm dicke Gehäuseausführung der Smartwatch kann schwarz, silbern oder goldfarben sein.  Es stehen vielfältige Armbänder von 16mm, 20mm Breite (für das 42mm Modell) und 22mm Breite (für das 46mm Modell) in Leder- und Metallausführung, jeweils zur Gehäuseausführung der Uhr passend, zur Verfügung. Das 42 mm Modell hat einen 300mAh Akku, das 46mm Modell einen Akku mit 400 mAh Kapazität. Wie bei allen anderen Herstellern ist der seitliche Druckknopf von der „3 Uhr Position“ des Vorgängermodells auf die „2 Uhr Position“ nach oben versetzt worden, um unbeabsichtigte Fehlauslösungen zu vermeiden. Die besonders außenlichttaugliche moto 360 Sport™mit transflektivem 42 mm TFT-LCD, integriertem GPS, Barometer? und einer UV-festen, schmutzabweisenden Kunststoffummantelung und belüftetem Armband wird die Modellpalette zukünftig abrunden. Für die USA, wo die Uhr ab sofort verfügbar ist, werden Preise zwischen US$300 und US$450 je nach Ausführung der Uhr und Armband aufgerufen. Die Verfügbarkeit der Smartwatch in Europa wird im Oktober erwartet.

Samsung reagiert auf die verbreitete Kritik an der Übergröße der Gear S™ mit ihrem 2“ Display und überzeugt mit dem deutlich kleineren Nachfolger Gear S2™ mit kreisrundem AMOLED Display von 30mm Durchmesser (∼1,2“), einer Gehäusebreite von 42.3 mm und 11.4 mm Dicke.  Das innovative Bedienkonzept und GUI basieren auf den drei Bedienelementen: Lünette, Touchscreen und zwei seitlichen Druckknöpfen (in „2Uhr“ und „4Uhr“ Position). An Stelle der nicht unproblematischen Ladeschnittstelle der Gear S™ gibt es für die Gear 2S™ Modelle eine bequeme induktive Ladeschnittstelle, wie sie sich schon für die moto 360™ und die Apple WATCH™ bewährt hat. Und – last not least – die neuen Gear S2 Smartwatches können trotz des verwendeten Tizen™ Betriebssystems mit allen Android™ 4.4 Smartphones (mit wenigstens 1.5GByte Hauptspeicher) zusammenarbeiten. [Bisher war zur Inbetriebnahme der Gear S™ stets ein Samsung Galaxy™ Smartphone notwendig.]

Auch bei Samsung gibt es neben der silbergrauen und dunkelgrauen mattierten Gehäuseausführung aus rostfreiem Stahl und vielfältigen Armbändern gleich mehrere Geräteausführungen. Neben der Standard Gear 2S™gibt es die Gear 2S Classic™mit einer besonders griffigen, gerändelten Lünette und (zukünftig) die Gear 2S 3G™mit einem etwas größeren Gehäuse (44mm breit, 13.4 mm dick), größerer Batterie (300 mAh gegenüber 250 mAh der beiden anderen Modelle), einem integriertem Lautsprecher und  einem integrierten 3G Mobilfunkmodul. Sie wird damit – wie die Gear S™ – auch autark von einem Smartphone zu benutzen sein. Alle Geräteausführungen haben Bluetooth 4.1  (BLE) und Wifi an Board, aber auch einen NFC Chip, mit dem unter anderem das Hersteller eigene, elektronische Bezahlverfahren „Samsung Pay“ unterstützt werden soll. Dazu benötigt man dann aber doch wieder ein gekoppeltes Samsung Galaxy™ Smartphone, wenn alle Bezahlfunktionen voll ausgeschöpft werden sollen. Ein Qualcomm MSM 8X26 Dualcore Prozessor mit 1 GHz, 500 MB Hauptspeicher sowie 4GByte Flashspeicher stehen in der Gear S2 3G™ zur Verfügung. Die Modelle Gear 2S™ und Gear S2 Classic™ verwenden den hauseigenen Samsung Exynox™ 3250 Prozessor bei ansonsten gleicher Taktrate und Speichergröße wie für das Gear S2 3G™ Modell.

Durch die im 3G Modell fest verbaute eSIM-Karte kann – durch den entfallenden SIM-Karten Einschub – die Widerstandsfestigkeit der Gear S2 3G™ Smartwatch auf Umgebungseinflüsse von IP67 auf IP68 gesteigert werden. Der breiten Einführung der zukunftsweisenden eSIM Technologie in Europa stehen aber noch deutliche Standardisierungs- und – möglicherweise auch – Regulierungshürden entgegen, so dass mit einer Verfügbarkeit der Smartwatch letztlich nicht vor 2016 zu rechnen ist. Das gleiche Schicksal teilt auch die LG Urbane™ LTE, die mit ihrem integrierten LTE Mobilfunkmodul und der fest verbauten eSIM Karte zunächst nicht in Europa zum Einsatz kommt. Sehr schade! Für die Gear S2™ deutet sich bei Verfügbarkeit in Europa im Spätherbst ein Preis von €379, für die Gear S2 Classic™ein Preis von €449 an; Preis und Verfügbarkeit der Gear S2 3G sind noch völlig unbestimmt.

Auch die auf der IFA 2015 nicht ausgestellte, neue Asus Zenwatch 2™ greift den aktuellen Individualisierungstrend auf.  Das Gehäuse aus rostfreiem Stahl wird zukünftig in 3 Gehäusefarben (silver, gun Metall, rosé gold), Armbändern in Leder, Kunststoff und Milanaise Metallgeflecht und Metallgliedern und in zwei  AMOLED Displaygrößen von 37 mm  (∼1,45“, Bildschirmauflösung 280×280 Bildpunkte) und 42 mm  (∼1,6“, 320×320 Bildpunkte Auflösung) verfügbar sein. Das Display ist mit einem leicht gewölbten Touchscreen aus bruchsicherem Corning™ Gorilla™ Glas 3 abgedeckt. Zur weiteren Bedienung der Smartwatch ist in „3 Uhr“ Position seitlich ein Druckknopf vorhanden. Das kleinere Modell besitzt einen 300 mAh Akku, das größere einen 400 mAh Akku. Beide Geräteausführungen werden durch ein Standard Qualcomm Snapdragon 400 Prozessor mit 1.2 GHz Taktrate, mit 512 MB Hauptspeicher und 4 GByte Flashspeicher angetrieben. An Sensoren sind für die Smartwatch mit Android Wear™Betriebssystem in üblicher Weise 6-Achsen Beschleunigungssenoren / Gyroskope und ein Mikrofon vorhanden, Bluetooth 4.1 (BLE) und werden zur Kommunikation unterstützt. Asus will mit einem gewohnt äußerst aggressiven Preis ab €169 für die neuen Modelle in Europa im Oktober in den Markt eintreten.

Bewertung für den professionellen Einsatz

Die verbreitete Umsetzung der Nutzerkritik durch praktisch alle Hersteller und die Beseitigung der Schwachpunkte der „ersten Generation“ von Smartwatches binnen Jahresfrist ist mehr als zu begrüßen. Sicherlich – wesentliche  längere Nutzungszeiten der Smartwatches bis zur nächsten Aufladung wären vor allem sehr wünschenswert. Die Erfüllung dieser Anforderung würde aber Nobelpreis würdige Erfindungen im Bereich der elektrischen Energiegewinnung bzw. Batterietechnologie voraussetzen, die aktuell weder im Bereich der Elektromobilität, der Smartphones oder eben der Smartwatches auch nur ansatzweise erkennbar sind. Von daher werden wir leider noch sehr lange mit der Situation leben müssen, dass der Akku einer aktiv genutzten Smartwatch mit dynamischem Vollfarb-Display zuverlässig jede Nacht aufgeladen werden muss. Alles andere ist Wunschdenken.

Die Nahfeldkommunikation (NFC), wie sie jetzt neben der Apple WATCH™ auch durch die Samsung Gear S2™Smartwatches unterstützt wird, bietet neue Möglichkeiten zur Zugangskontrolle (Türöffnung) oder zum Nachweis, dass der Träger der Smartwatch zu bestimmten Zeiten an definierten geografischen Orten war. Dazu können diese Orte etwa mit preisgünstigen, passiven RFID Chips ausgestattet werden.

Für die von uns verfolgten Anwendungen im Bereich des Hausnotrufs ist die Möglichkeit einer direkten Sprechverbindung zum Uhrenträger von hoher Bedeutung. Sie kann – auch ohne ein in die Smartwatch integriertes Mobilfunkmodul – innerhalb eines WLANs durchgeführt werden, wenn die Smartwatch mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet ist. Leider ist dieser Lautsprecher weder im aktuellen Android Wear™Standard vorgesehen, noch von den vorgestellten Uhrenmodellen so realisiert. Die 3G/LTE Modelle mit integrierten Mobilfunkmodul, die einen Lautsprecher prinzipbedingt enthalten, sind infolge der dort eingesetzten eSIMs absehbar noch nicht verfügbar (s.oben). Von daher ist die (verfügbare) Apple WATCH™aktuell die einzige Smartwatch, mit der sich Sprechverbindungen auch im WLAN realisieren lassen.

 

 

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Ein Bild unseres Blog Autors Rainer Lutze

Rainer Lutze

Rainer Lutze ist Gründer und Inhaber der Unternehmensberatung Dr.-Ing. Rainer Lutze Consulting. Das Unternehmen berät seit seiner Gründung im Jahr 2000 Unternehmen und Organisationen im Bereich der digitalen Medien und der digitalen Gesundheit und Pflege (E-Health). Ein aktueller Schwerpunkt ist das intelligente Zuhause, das ein gesundes, sicheres und selbstbestimmtes Leben im vertrauten Zuhause bis ins hohe Alter und auch in Gegenwart alterstypischer Beschwerden und Einschränkungen ermöglicht.

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