Wartet auf seinen Einsatz im vernetzten Haushalt - ALPHA 2 von UBTECH, IFA 2016

Wartet auf seinen Einsatz im vernetzten Haushalt - ALPHA 2 von UBTECH, IFA 2016

Die Smartwatch Situation zur IFA 2016

Trends, Perspektiven, Anwendungen

Smartwatches gehörten dieses Jahr nicht zu den Highlights der IFA 2016. Zu Recht, denn der „große Wurf“ hin zu einem überzeugenden Kundennutzen und hoher Anwendungsvielfalt steht immer noch aus. Etliche Anbieter wie LG Electronics, die durchaus Premium Smartwatches im Angebot haben, hatten diese zur IFA zuhause gelassen und sich neben immer perfekteren Fernsehern/Monitoren auf den vernetzten Haushalt fokussiert. Wir analysieren die Ursachen dieser Situation, beleuchten den aktuellen Status der Smartwatch Technologie und skizzieren die Perspektiven.

Samsung Gear S3(TM) Frontier Rückseite Samsung Gear(TM) S3 Samsung Gear(TM) S2 3G und S3 Im Größenvergleich Samsung Gear(TM) S2 Classic und S3 Frontier im Größenvergleich ASUS ZenWatch(TM) 3 LG Urbane(TM) 2nd Edition LG Urbane(TM) 2nd Edition, Rückseite Huawei Watch Jewel(TM), Lady Modell Huawei Watch Jewel(TM), Lady Modell, Seitenansicht Fossil Q-Wander(TM) Smartwatch Polar M600(TM) Smartwatch

 

Smartwatch Anwendungen

Für Smartwatch Anwendungen lassen sich aus heutiger Sicht mindestens drei Anwendungsbereiche erkennen:

  1. Der „zweite Bildschirm“ für das Smartphone. Der unauffällige Blick zur Smartwatch ersetzt den unübersehbaren Griff zum Smartphone, gerade in Gesprächssituationen mit Dritten. So lassen sich wichtige Mitteilungen, Terminerinnerungen, … diskret darstellen und kommunizieren. »Complications« blenden die Botschaften von beliebigen Apps in die Zeitanzeige der Smartwatch ein. Das Apple Watch OS™ Betriebssystem macht es vor und Android Wear™ 2.0 wird im Herbst nachziehen. Diese Anwendung beherrschen alle Smartwatches durch die Bluetooth Kopplung mit einem Smartphone. Der wahrgenommene Nutzen der Funktion konnte aber bisher keinen Käuferansturm auf die Computeruhren auslösen. Zumal sich eine schnelle Reaktion auf solche Botschaften mit dem sehr kleinen Touchscreen der Smartwatches in der Praxis schwierig gestaltet. Aber Besserung ist in Sicht, siehe unten, Abschnitt Perspektiven.
  2. Der Fitness Tracker. Die Sensoren der am Handgelenk getragenen Wearables ermöglichen eine genaue Analyse des Bewegungsverhaltens; der Puls kann am Handgelenk gut gemessen werden. Ob für die Anwendung „Fitness Tracking“ eine Smartwatch oder ein deutlich kleineres Fitness Armband zum Einsatz kommt, ist eine Geschmacksfrage. Die Wichtigkeit eines zusätzlichen GPS Sensors, um auch die bei der Sportausübung zurück gelegte Wegstrecke und Höhendifferenz nachzuvollziehen, wird zunehmend deutlicher. Die Anbieter haben reagiert und bieten diesen zusätzlichen GPS Sensor jetzt verbreitet in ihren Wearables an (siehe unten, Abschnitt Trends). Diese Anwendung erfreut sich zunehmender Beliebtheit, die Selbstvermessung, self quantification, trifft den Zeitgeist insbesondere jüngerer Menschen,
  3. Der Notfall Assistent. Die Übertragung des aktuellen Aufenthaltsortes – per GPS ermittelt – und die Herstellung einer Sprechverbindung in einer Notfallsituation bilden ein breites Anwendungsszenario für Smartwatches. Eine Auswertung der Smartwatch Sensoren kann wertvolle Zusatzinformation über die Art des Notfalls bereit stellen, selbst wenn kein Gespräch mehr möglich ist.  Dieses Szenario bedingt im Allgemeinen ein in die Smartwatch integriertes Zellulartelefon. In einer Notfallsituation sollen ein mitgeführtes, gekoppeltes Smartphone oder die zufällige Verfügbarkeit eines freien WLANs am aktuellen Aufenthaltsort gerade nicht vorausgesetzt werden. Demgegenüber ist eine Mobilfunkabdeckung in Deutschland praktisch flächendeckend gegeben. Nur die Premium Modelle führender Smartwatch Hersteller haben ein solches in die Smartwatch integriertes Zellulartelefon an Bord. Dieses Thema hat aber nicht nur für den Energieverbrauch des Mobilfunkmoduls, die SIM Kartenproblematik und die Robustheit der Smartwatch gegen Umwelteinflüsse weitreichende Konsequenzen.  Mehr dazu siehe unten, Abschnitt Perspektiven.

Anforderungen an Smartwatch Apps

Die mangelhafte Autarkie von Smartwatches von einem mitgeführten Smartphone  wird weltweit von Interessenten und Nutzern als das gravierendste Problem heutiger Smartwatches angesehen. Es wird deutlich schwerwiegender als die begrenzte Leistungsfähigkeit der Smartwatch Batterien bewertet. Nicht immer ist für die geforderte Unabhängigkeit aber das in die Smartwatch integrierte Zellulartelefon notwendig. Es setzt diese Unabhängigkeit natürlich perfekt um. Ein direkter Download von neuen Apps per WLAN in die Smartwatch sowie die Datenkommunikation und Telefonie im WLAN – ohne ein gekoppeltes Mobiltelefon – ist aus Sicht der Nutzer für viele Einsatzbereiche ausreichend. Google greift diese verbreitete Forderung mit seinem neuen, für den Herbst 2016 erwarteten Smartwatch Betriebssystem Android Wear™ 2.0 auf. Es wird die Direktinstallation von Apps aus dem Google PlayStore auf die Smartwatches ebenso wie eine direkte Datenkommunikation per WLAN und die Zellulartelefonie (auf entsprechend ausgestatteten Uhren) unterstützen. Allerdings dürfen nur die neusten Android Wear™ Smartwatches auf ein Upgrade auf das neue Betriebssystem hoffen, dazu gehören wohl die Huawei Watch™ebenso wie das LG Urbane™ 2nd Edition.

Ein weiterer Aspekt der Unabhängigkeit betrifft die Zuverlässigkeit von Smartwatch Apps. Sie müssen zur Erfüllung ihrer Aufgaben gerade in den Anwendungsbereichen 2) und 3) kontinuierlich und berechenbar im Hintergrund der Smartwatch ablaufen, unabhängig von einem etwa auf dem Touchscreen der Smartwatch aktiv bedienten MP3 Player oder einem aus Energiespargründen aktuell abgeschalteten Display. Die Einsicht der Smartwatch Betriebssystem Anbieter in diese Notwendigkeit ist im Wachsen begriffen. Die Gefahr, dass Apps unter dem Primat einer Smartwatch Energieeinsparung – unbemerkt und unkontrolliert – suspendiert oder beendet werden, ist jedoch noch nicht gebannt.

Unserer Überzeugung nach hängen an dem Thema der bisher unzureichenden Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit der Smartwatch Apps nicht nur der beschriebene Notfallassistent. Auch sehr viele mögliche Smartwatch Apps in den Bereichen Gesundheit, Verhaltensoptimierung und Telemedizin benötigen diese Eigenschaften. Ihre Abwesenheit sind ein ganz entscheidender Hemmschuh zu einer durchdringenden Verbreitung von Smartwatches. Nur mit dieser Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit wird sich die Smartwatch von einem ergänzenden Accessoire eines Smartphones zu einer eigenständigen Produktkategorie emanzipieren.

Neue Smartwatches zur IFA 2016

Apple. Das Unternehmen war in gewohnter Weise erst gar nicht in Berlin auf der IFA vertreten. Die Apple Watch™ Series 2 wurde termingenau zum Ende der IFA am 7.9.2016 in Kalifornien der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Apple Watch™ hält weiterhin an dem bekannten, rechteckigen Layout fest und widersetzt sich dem verbreiteten Trend zu runden Smartwatches. Neu sind der leistungsstärkere Dual-Core S2 Prozessor und ein GPS Sensor in der Uhr (siehe unten, Abschnitt Trends). Gemäß Analysen von iFixit wurde die Kapazität des Akkus der Smartwatch um ca. 30% erhöht, für das 38mm Modell etwa von 205 auf 273mAh. Die Wasserfestigkeit der Uhr wurde mit einer möglichen Tauchtiefe von 50m gemäß ISO 22810 verbessert. Die Uhr ist damit voll schwimmtauglich. Mit der überlegenen Leuchtstärke von 1.000 cd/m2 wird die Apple Watch™ auch im Freien deutlich besser als bisher lesbar sein. Das neue Watch OS 3™ wird autarke WLAN Verbindungen der Apple Watch ohne gekoppeltes iPhone ermöglichen. Es gibt weiterhin ein 38mm und 42mm Modell, wobei die „Sport“ Version mit Aluminiumgehäuse mit nur 28.2g bzw. 34.2g zu den leichtesten Smartwatches überhaupt zählt. Die praktisch unverkäuflich teure, vergoldete „Watch Edition“ der ersten Apple Watch™ wird durch eine „Watch Edition“ mit weißem Keramikgehäuse ersetzt. Sie wird für  €1.449,– über den Ladentisch gehen. Weitere Sonderausführungen der Apple Watch mit Nike und Hermēs sind geplant. Die neuen Uhren der „Series 2“ sollen ab 16.09.2016 ab €419,– (für das 38mm Modell) und €449,– (für das 42mm Modell) in den Handel kommen.

ASUS. ASUS hat seine neue ZenWatch™3 mit einer großen Pressekonferenz zu IFA 2016 Beginn vorgestellt. Eine „hands on experience“ der Smartwatch war aber nicht möglich. Wir konnten die Uhr nur unter Glas bewundern. Eine wahrscheinliche Ursache dafür könnte sein, dass die Smartwatch mit dem neuen, noch nicht freigegebenen Android Wear™ 2.0 Betriebssystem ausgestattet sein wird. Die 45 mm Smartwatch (bis zu 10.75 mm dick) hat ein 1,39“ AMOLED Display von 400×400 Pixeln Auflösung und mit 16M Farben. Im Inneren der Uhr arbeitet der neue Qualcomm Snapdragon™ Wear 2100 Quad-Core Prozessor mit 1 GHz Taktfrequenz und 512 MB Hauptspeicher. Die ZenWatch™ 3 hat eine Batterie von 340 mAh Kapazität und weiterhin eine kontaktbehaftete Ladeschnittstelle. Ein Pulsmesser ist nicht vorhanden. Die Smartwatch soll – in gewohnter ASUS Weise – mit einem äußerst knapp kalkulierten Preis von € 229,– im vierten Quartal 2016 im Markt verfügbar sein.

Samsung. Die neue Samsung Gear™ S3 Produktlinie mit den zwei Modellen Classic und Frontier, zwei wuchtige 46mm Uhren von 12.9 mm Dicke, wurden auf der IFA 2016 groß von dem Unternehmen im „City Cube“ vorgestellt. Sie zeichnen sich gegenüber dem Vorjahrsmodell Gear S2™ durch ein auf 1,3“ gewachsenes AMOLED Display mit 360 x 360 Pixeln, 16M Farben und einen Touchscreen mit Corning Gorilla Glas SR+ aus. Der Hauptspeicher der S3 Linie wurde von 512MB auf 768 MB vergrößert, die Exynos 7270 Dual-Core CPU arbeitet weiterhin mit 1.0 GHz Taktfrequenz. Die Batterieleistung wurde von 250 mAh der S2 Classic bzw. 300 mAh der S2 3G auf 380 mAh erhöht. Beide Modelle haben jetzt einheitlich einen Lautsprecher, um Telefonie per Bluetooth/WLAN zu unterstützen. Das Bedienkonzept der Uhren basiert – wie bei der S2 – wesentlich auf der drehbaren Lünette. Das Spitzenmodell S3 Frontier LTE nutzt gegenüber der S2 3G jetzt auch den LTE Mobilfunk Standard, was aber in Europe voraussichtlich ohne Relevanz ist. Der fest verbaute eSIM Chip der Uhr wird hierzulande absehbar nicht unterstützt (siehe unten, Abschnitt Perspektiven), das Modell soll deshalb nicht angeboten werden. Die Uhren werden voraussichtlich für €449,– Mitte November am Markt aufschlagen.

Smartwatch Trends

Der Trend zum GPS Sensor zwecks Unterstützung der Anwendung »Fitness Tracker« ist unübersehbar. Nachdem SONY und Lenovo mit der Smartwatch 3™ bzw. Moto 360 Sport™ den Vorreiter gemacht hatten, legen die Apple Watch™ Series 2, fitbit blaze™, Garmin Vivoactive HR™, Polar M600™, die Samsung Gear S3™Classic und Frontier nach. Sie haben diesen GPS Sensor jetzt standardmäßig an Bord. Bei Premium Smartwatches wie der Samsung Gear™ S2 3G und der LG Urbane™ 2nd Edition war dies wegen des dort integrierten Zellulartelefons ohnehin schon der Fall. Dies gilt ebenso für ein digitales Barometer und einen Höhenmesser, mit dem sich nicht nur die körperliche Anstrengung bei der zurückgelegten Wegstrecke, sondern auch Wetteränderungen und Sturz zuverlässiger erkennen lassen. Die Unterstützung des Anwendungsfalls durch Smartwatches ist praktisch auf die genannten Modelle und alle weiteren Uhren mit integriertem Zellulartelefon (wie das SimValley AW-420.RX) beschränkt. Aber auch Fitness Armbänder wie das Microsoft Band 2™ enthalten einen GPS Sensor und ein Barometer, die fitbit charge 2™nutzt GPS, in dem sie die Positionsdaten von einem mit Bluetooth gekoppelten Smartphone bezieht.

Telefonie im WLAN. Nachdem Apple schon mit seiner ersten Apple Watch™ vermittels integriertem Mikrofon und Lautsprecher diese Möglichkeit eröffnet hat, folgen immer mehr Smartwatches diesem Szenario. Die Samsung’s Gear™ S3 Familie – auch ohne das LTE Modul des Frontier Modells -, die ASUS ZenWatch™ 2 und 3, die Huawei Watch™ und die LG Urbane™2nd Edition. Das Android Wear™ Marshmallow Update und ein eingebauter Lautsprecher in der Smartwatch erlauben diese Funktionalität zunächst für ein per Bluetooth gekoppeltes Smartphone. Mit Android Wear™2.0 dürfte diese Funktionalität im gesamten WLAN funktionieren, in dem sich ein passendes Smartphone mit Interface ins Zellularnetz befindet. Da die Android Wear 2.0™ Spezifikation einen solchen Lautsprecher (neben dem standardmäßigen Mikrofon) mandatorisch fordert, werden alle zukünftigen Android Smartwatches WLAN Telefonie voraussichtlich unterstützen.

Die schnelle Reaktion auf empfangene Nachrichten per Smartwatch bleibt eine Herausforderung. Diktat per Spracheingabe oder Texteingabe per (winziger) Tastatur sind in den wenigsten Fällen passend. Das neue Android Wear™ 2.0 verspricht mit Verfahren der künstlichen Intelligenz hier Besserung. Wie in der Android Inbox und bei Gmail™ sollen aus einer Analyse der empfangenen Nachrichten und der vom Nutzer zuvor getätigten Antworten auf ähnliche Nachrichten jeweils 3 »smart reply« Antwortvorschläge dem Nutzer auf der Smartwatch zur Auswahl angeboten werden. Mal sehen, wie gut das System lernt!

Perspektiven für Smartwatches

Die Smartwatch als Steuergerät im Haushalt. Der zuletzt vorgestellte Trend zur Smartwatch Telefonie im WLAN birgt das Potenzial, dass die Smartwatch die herkömmliche DECT Telefonie und Türsprechanlagen im Haushalt vollständig verdrängen könnte. Mit der Smartwatch lassen sich auch die Smart Home Funktionen bequem vom Handgelenk aus steuern. Die Notwendigkeit, sein Smartphone ständig zuhause mit sich zu führen, entfällt. Zumindest, soweit keine Diskretion gebietende Telefonate zu führen sind. Über den immer mehr verbreiteten NFC Chip von Smartwatches ist auch eine schlüsselfreie und sichere Türöffnung vorstellbar.

Lokale Assistenten. In vielen Fällen ist ein lokaler Gesundheits-, Telemedizin- oder Notfallassistent, der unabhängig von einem Smartphone im gesamten Gebiet des Haushalts, eines Krankenhauses oder Heims, einschließlich der Gartenanlagen, per WLAN genutzt werden kann, ausreichend. Wenn die oben genannten Anforderungen an Unabhängigkeit und Zuverlässigkeit durch neue Smartwatch Betriebssystemversionen erfüllt sind, lassen sich entsprechende Apps realisieren. Solche Assistenten werden gerade für Ältere eine hohe Anwendungsrelevanz haben, da die Gesundheitsrisiken mit dem Alter steigen.

Überall nutzbare Assistenten. Für nicht lokal eingeschränkt nutzbare Assistenten bleibt das integrierte Zellulartelefon der Smartwatch eine notwendige Voraussetzung. Die für die Mobiltelefonie unverzichtbare SIM Karte macht diese Funktion aber schwierig. Die austauschbare nanoSIM Karte, wie sie Samsung Gear™S oder LG Urbane™ 2nd Edition haben, bildet eine natürliche Eindringpforte für Feuchtigkeit in die Uhr. Eine höhere Schutzklasse als IP67 gegen Umwelteinflüsse dürfte technisch nicht möglich sein. Dies beeinträchtigt die Dauergebrauchsfestigkeit. Andererseits sind diese SIM Karten als multiSIM Karten mit gleicher Rufnummer wie das Smartphone zu haben. Das kann im Falle eines „vergessenen Smartphones“ sehr praktisch sein, weil Smartphone und Smartwatch dann die gleiche Rufnummer haben. Die Smartwatch sichert in diesem Fall die telefonische Erreichbarkeit auch ohne Smartphone. Ein Anbieterwechsel ist mit SIM-Karten  jederzeit möglich; die SIM Karten sind zu attraktiven Preisen von unterschiedlichsten Anbietern verfügbar.

Das eSIM Dilemma. Die Alternative zur nanoSIM und technisch zukunftsweisendere Lösung ist eine fest in die Smartphone integrierte elektronische SIM, eSIM. Nur so lässt sich eine weitere Miniaturisierung der Geräte und höhere Festigkeit gegen Umwelteinflüsse nach IP68 erreichen. Diese eSIM hat Samsung in ihren Top Modellen Gear S2™ 3G und S3 Frontier LTE fest verbaut. Die eSIM Konfiguration (Rufnummer, Angaben zum Provider, Tarif) wird dabei zukünftig über das Mobilfunknetz vom ausgewählten Provider in die Smartwatch Hardware geladen (»over the air provisioning«). Das Problem ist, dass die Funktionen der eSIM als Hardwarekomponente zwar mittlerweile international verabschiedet wurden. Die notwendige Standardisierung und Regulierung der Bereitstellungsprozesse für eSIMs durch die Telcos und zwischen ihnen steht aber noch aus.  eSIMs werden deshalb – zumindest in Europa – nicht vor 2017 durch die vorgesehenen Verfahren und Standard Produkttarife unterstützt werden. Infrastruktur, Prozesse und know-how für den eSIM Vertrieb sind bei den Providern praktisch (noch) nicht vorhanden. Es gibt nur sehr wenige und kostenmäßig völlig unattraktive Tarife, die in Deutschland von Vodafone und O2 angeboten werden. Keine der genannten Vorzüge von nanoSIMs sind mit eSIMs aktuell möglich. Die Bereitstellung der eSIM erfolgt heute hilfsweise per spezialisierter Smartwatch App. Mit dieser wird eine entsprechende eSIM Konfiguraion per Barcode gescannt und dann per Bluetooth in die Smartwatch übertragen – umständlicher geht es kaum!

Theoretisch besitzen eSIMS für connected cars, die M2M (machine to machine) Kommunikation zwischen Maschinen im Internet der Dinge (IoT) und auch für Smartwatches entscheidende Vorzüge. Rein praktisch wirken die bestehenden Zugangsbarrieren aber prohibitiv und technologieverhindernd.  Die Telekom hat sich deshalb entschieden, vor Abschluss der europaweiten Standardisierung keine Angebote in diesem Sektor zu machen. LG Electronics hat sich entschlossen, seine Smartwatch LG Urbane™ LTE, die erste Smartwatch mit eSIM, Ende 2015 wieder kurzfristig vom internationalen Markt zu nehmen. Das Nachfolgemodell  LG Urbane™ 2nd Edition wird seit Frühjahr 2016 erneut mit „klassischer“ nanoSIM in den USA und Europa angeboten. Verbunden mit dem Wechsel war die Abkehr von der Betriebssystem Eigenentwicklung WebOS™ und die Rückkehr zu Android Wear™ als Betriebssystem. Aktuell hält nur Samsung mit der Gear™S2 3G und S3 an der eSIM und seinem proprietären Tizen™Betriebssystem fest. Aber auch Samsung muss sich wohl der Macht des Faktischen beugen und hat angekündigt, das neue Smartwatch Spitzenmodell Gear™S3 Frontier LTE mit eSIM vorerst nicht in Europa anzubieten. Dass damit eine gesamte Klasse von Anwendungen für die neuen Samsung Smartwatches entfällt, ist höchst bedauerlich.

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Ein Bild unseres Blog Autors Rainer Lutze

Rainer Lutze

Rainer Lutze ist Gründer und Inhaber der Unternehmensberatung Dr.-Ing. Rainer Lutze Consulting. Das Unternehmen berät seit seiner Gründung im Jahr 2000 Unternehmen und Organisationen im Bereich der digitalen Medien und der digitalen Gesundheit und Pflege (E-Health). Ein aktueller Schwerpunkt ist das intelligente Zuhause, das ein gesundes, sicheres und selbstbestimmtes Leben im vertrauten Zuhause bis ins hohe Alter und auch in Gegenwart alterstypischer Beschwerden und Einschränkungen ermöglicht.

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