IFRA Expo 2015 : Unterm Strich – die große Leere

Hamburg, 7.10.2015. Gähnende räumliche und inhaltliche Leere waren einer der bestimmenden Eindrücke an allen drei Messetagen. Zumindestens wer entscheidende Innovationen zur diesjährige WAN-IFRA World Publishing EXPO in Hamburg erwartet hatte, konnte nur enttäuscht sein.  Einer der großen Hersteller von Redaktionssystemen, EidosMedia, hatte das wohl schon kommen sehen und in weiser Voraussicht bei dieser Messe erstmalig nach all den Jahren auf eine Teilnahme verzichtet.

Lange, leere Gänge in der Messehalle A1 bei der Ifra Expo 2015 in Hamburg
Lange, leere Gänge in der Messehalle A1 bei der Ifra Expo 2015 in Hamburg

Auf jeden Fall in der durch Softwarehersteller dominierten Messehalle A1 waren die Klagen der Aussteller über die geringen Besucherzahlen, insbesondere das Ausbleiben von Neukunden, unüberhörbar. Die Zukunft der Messe – zumindest in der gegenwärtigen Konzeption – wurde in zahlreichen Gesprächen deutlich als sehr düster eingeschätzt. Man werde sich sehr gut überlegen müssen, ob man im nächsten Jahr in Wien bei der nächsten IFRA Expo überhaupt noch teilnehmen werde. Der Zustand der internationalen Leitmesse der Zeitungsverlage spiegelt den Niedergang der ehemals so erfolgsverwöhnten Branche wieder.

Aussteller sehen Zukunft der Messe fraglich

Die Krise der Messe zeichnete sich schon spätestens seit der kurzfristigen Verlegung der IFRA Expo im Jahr 2012 von Barcelona nach Frankfurt immer deutlicher ab. Echte Innovationen bei den Systemherstellern, die über die mittlerweile durchgängige crossmediale Publizierungsfunktion in alle gedruckten und digitalen Ausgabekanäle hinausgeht, sind seitdem ausgeblieben. Und die WAN-IFRA selbst?

Seit dem Newsplex Konzept vor rund 10 Jahren  sind entscheidende Innovationsimpulse von der „World Association of Newspapers and News Publishers“ nicht zu erkennen. Die zunehmende Dominanz der mobilen Nutzung von Medien scheint für die WAN-IFRA als internationale Organisation mit 3000 Mitgliedsunternehmen in 120 Ländern kein Schwerpunktthema zu sein.

Entscheidende Impulse für Innovationen fehlen

Zum Beispiel: Warum wird nicht diskutiert über Steuerungstechnologien zum effizienten Einsatz von Reportern, vergleichbar den Leitständen von Polizei oder Feuerwehr? Durch die Fortschritte der Mobil- und Displaytechnologie wäre Derartiges für Verlage durchaus erschwinglich. Die Vorteile der hiermit realisierbaren Echtzeit-Kommunikation machen einen zentralen Baustein der digitalen Medientransformation aus. Aus unserer Sicht ist die Redaktionsleitstand-Idee eine zeitgemäße Fortführung des Newsplex-Konzeptes.

Ein weiteres Beispiel: warum stehen Leserreporter bzw. Bürgerjournalisten nicht stärker im Fokus? Moderne Smartphones mit Spracheingabe und GPS-Lokalisierung bieten hierzu günstige Voraussetzungen. Mit den Lokalisierungsmöglichkeiten lässt sich etwa die Authentizität eines Beitrages vom Ort des Geschehens sicherstellen.  Zudem fordert der mündige Nutzer heute eine direkte Teilnahme an der gesellschaftlichen Kommunikation – und zwar im Dialog  auf Augenhöhe. Dabei gibt es seit mehreren Jahren markante Positivbeispiele wie das Dichtbij Netzwerk der Telegraaf Media Group in den Niederlanden.

Und ein dritter Punkt – ebenfalls nur exemplarisch: Was ist zu tun, um die für Regionalverlage wichtigen lokalen Märkte wieder zu gewinnen und zu sichern? Außer der aktuellen Betrachtung von Native Advertising als spezifisches Werbeformat für mobile Endgeräte finden in der ganzen Branche weitere Aspekte der Mobilität für das Anzeigenschäft keine nachhaltige Aufmerksamkeit. Dazu gehört auch und vor allem das Potenzial einer hochautomatisierten,  Internet gestützten  Selbstverwaltung und Selbstgestaltung von multimedialen, georeferenzierten Anzeigen durch den Inserenten.

Antworten auf diese und andere Fragen zur Zukunft der Zeitung finden Sie in diesem Blog hier oder auf unserer Homepage hier und auch hier in unseren Vorschlägen zur digitalen Medientransformation.

 

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Ein Bild unseres Blog Autors Rainer Lutze und Michael Strzodka

Rainer Lutze und Michael Strzodka

Rainer Lutze ist Gründer und Inhaber der Unternehmensberatung Dr.-Ing. Rainer Lutze Consulting, die Verlage im Bereich der digitalen Medien berät. Michael Strzodka ist selbständiger Journalist und Zeitungsredakteur mit 30-jähriger Berufserfahrung, zuletzt als CvD und Mitglied der Chefredaktion der „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund. Rainer Lutze und Michael Strzodka berichten hier regelmäßig über relevante Tendenzen und Entwicklungen zur Zukunft des Journalismus.

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